Bitte nach unten scrollen
spannende
erlebnisse
in historischen
räumen

Das Staatstheater Wiesbaden

Das Hessische Staatstheater in Wiesbaden besteht seit 1894, auch die dort alljährlich stattfindenden Internationalen Maifestspiele können auf eine über hundertjährige Tradition zurückblicken. Der Bau am Warmen Damm zählt zu den typischen Bauten des Neobarocks.

Durch den Umbau in den jahren 1976-78 und ab 2000 konnte das Haus den Erfordernissen eines modernen Theaterbetriebes angepaßt werden. Insbesondere wurde die Fassade und die zahlreichen Figuren restauriert. Der Zuschauerraum hat eine Kapazität von über 1000 Sitzplätzen und wird von der Oper, dem Schauspiel und Ballett an über 200 Tagen im Jahr bespielt.

Intendant ist Uwe Eric Laufenberg, Generalmusikdirektor Zsolt Hamar. Durch seine Lage in direkter Nachbarschaft des Kurhauses im Zentrum Wiesbadens zeichnet sich das Theater Wiesbaden durch gute Erreichbarkeit aus.

Das Hessische Staatstheater Wiesbaden ist ein klassisches Drei-Sparten-Haus, in dem alle drei Theatergattungen Oper, Schauspiel und Ballett gleichberechtigt nebeneinander existieren. Seit einigen Jahren profiliert sich das Jugend-Club-Theater, nun junges Staatsmusical, durch die Aufführungen von Musicals; ebenfalls ist ein Kinder- und Jugendtheater dazugekommen.

Intendant ist seit der Spielzeit 2014/2015 Uwe Eric Laufenberg, Generalmusikdirektor seit 2012 Zsolt Hamar. Mit über 600 Beschäftigten gelingt es dem Theater, neben dem Repertoire jährlich über 20 Neuproduktionen in den drei Spielstätten (Großes Haus, Kleines Haus, Studio) auf die Beine zu stellen.
Neu hinzugekommen ist die räumlich etwas entfernte Wartburg, in der exquisite kleine Stücke aufgeführt werden. Im Thiersch-Saal des Kurhauses finden die Symphonie- und Chorkonzerte statt.

Eine Besonderheit des Staatstheaters Wiesbaden sind die alljährlich stattfindenden Internationalen Maifestspiele, die in den 60/ 7oer jahren mit der Einladung von Produktionen großer Opernhäuser Osteuropas ein „Fenster zum Osten“ waren. In den letzten jahren standen ausgewählte Produktionen europäischer Theater sowie Opern aus dem Repertoire des Staatstheaters mit sängerischer Starbesetzung als Galavorstellungen im Mittelpunkt. Hierzu gehören u.a. die Verdi- Klassiker „La Traviata“ und „Rigoletto“, aber auch Puccinis „Turandot“ und „La Bohéme“ sowie Wagners „Der fliegende Holländer“ und Strauss' „Salome“.

Über jahre hinweg begeisterte Ben van Cauwenbergh mit Produktionen auf der Grundlage des klassischen Balletts die Zuschauer. 2007 wurde er durch Stephan Thoss abgelöst, dessen Choreografien dem Ausdrucktanz verschrieben sind. Nun hat die Leitung Tim Plegge inne.
Von seinem Ruf, ein Sprungbrett internationaler Gesangskarrieren zu sein, hat Wiesbaden nichts eingebüßt. Klangvolle Namen wie Hubert Delamboye, Sue Patchell, Eike Wilm Schulte, Keith Ikaia Purdy oder Roberto Saccä gehören dazu. Auch Schauspielkarrieren wie die André Eisermanns begannen in Wiesbaden.

Architektur

Nach einem Entwurf der Wiener Theaterarchitekten Fellner/Helmer wurde der repräsentative Bau im neobarocken Stil in den Jahren 1893/ 94 als Königliches Theater errichtet. In seiner städtebaulich dominanten Position neben dem Kurhaus stellt das Gebäude den Abschluß des Warmen Damms dar und wurde in die bereits bestehenden Kolonnaden eingefügt, so daß die eigentliche Schauseite die Bühnenseite ist.

Die geschlossenen Gebäude jeweils am Ende der Kolonnaden wurden erst ca. 1936 von Treppenaufgängen durchbrochen. Beeindruckend ist das von Felix Genzmer im Jahre 1901/02 errichtete Foyer, das mit seiner überbordenden barocken Ausgestaltung das helle Entzücken Kaiser Wilhelms Il. hervorrief.

Auf Genzmer lassen sich sehr viele Bauten zurückführen, die er in seiner Wirkungszeit als Wiesbadener Stadtbaumeister schuf. 1950 wurde das Kleinen Haus direkt neben dem Theatergebäude errichtet.
Der heute vorhandene moderne Anbau wurde im Zuge der umfassenden Sanierung der Bühnentechnik in den Jahren 1976/78 angefügt und trug den erhöhten Anforderungen eines modernen Theaterbetriebes an Proben-, Werkstatt- und Verwaltungsräumen Rechnung, versperrt allerdings den Blick auf die Außenfront des Foyers.

Das Große Haus hat Platz für 1041, das Kleine Haus für 328 und die Studiobühne für 89 Zuschauer. Der Zuschauerraum wurde im Zuge der Generalsanierung in seiner historischen Form und dem eindrucksvollen Deckengemälde wiederhergestellt. Das Foyer dient neben seiner Funktion als edler Pausenraum auch als festlicher Rahmen für Liederabende, Kammermusik-Konzerte und Feierlichkeiten der Stadt Wiesbaden.

Geschichte

Nachdem der Vorgängerbau, das alte Theater an der Wilhelmstraße, den Anforderungen nicht mehr genügt hatte, konnte der prächtige Neubau am 16. Oktober 1894 durch Kaiser Wilhelm II. seiner Bestimmung übergeben werden.

Die erste Opernvorstellung fand wenige Tage später statt und hat mit Wagners „Tannhäuser“ den Ruf Wiesbadens als Wagnerliebende Stadt begründet. Der erste Intendant war Georg Graf V. Hülsen. Mit der Überschrift „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie.“ auf dem Architrav des Portals am Warmen Damm setzt Wiesbaden die Tradition des Hoftheaters fort. Die ersten Maifestspiele fanden im Jahre 1896 wieder mit Teilnahme des Kaisers statt. Die Eröffnung erfolgte stilecht mit Mozarts „Zauberflöte“.

Der prachtvolle Bau am Warmen Damm in der Nähe des Kurparks, der grünen Lunge Wiesbadens, war ein beliebtes Ansichtskartenmotiv, das die zahlreichen Kurgäste in die Welt hinaus schickten. Ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte des Theaters war der Theaterbrand vom 18. März 1923 nach einer Vorstellung von „Rienzi“, der den Spielbetrieb jedoch nicht lange aufhalten konnte.
Ausweichspielstätten wurden das Kleine Haus und der Große Saal des Kurhauses. Nach dem Brand begann mit den revolutionären Inszenierungen des Intendanten Carl Hagemanns und dem Dirigat Otto Klemperers Wiesbadens „hohe Zeit“ als Spielstätte moderner Opern. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zeit machten auch dem Theater zu schaffen, so daß im Jahr 1931 die Gründung der Gesellschaft der Freunde des Staatstheaters erfolgte, die es sich zur Aufgabe machte, werbend und fördernd der Wiesbadener Bühne zur Seite zu stehen. Der Krieg richtete in den Theaterkolonnaden und im Vestibül des Großen Hauses Zerstörungen an. Im Rahmen des Wiederaufbau wurde auch die Kutschenrampe beseitigt.

1946 wurde das Theater vom Land Hessen als Rechtsträger übernommen und das Walhalla-Theater als Ausweichspielstätte genutzt, da das Große Haus den amerikanischen Soldaten zur Truppenbetreuung diente. In der Spielzeit 1947/48 konnte es mit Verdis „Aida“ neu eröffnet werden.
Auch die Wagner-Tradition Wiesbadens fand mit einer Aufführung des „Fliegenden Holländers“ ihre Fortsetzung. Die Internationalen Maifestspiele wurden 1950 wieder aufgenommen. Im Jahr 1974 begann Siegfried Köhler als Generalmusikdirektor, der über 15 Jahre hinweg die musikalische Gestaltung des Staatstheaters prägen sollte.

Gemeinsam mit dem Intendanten Peter Ebert setzte er in den kommenden Jahren künstlerische Zeichen und schuf für viele Sänger die Voraussetzungen großer Karrieren - wie Wiesbaden stets ein Sprungbrett für junge begabte Künstler war und ist. Unter der Intendanz von Christoph Groszer gab es 1982 die anfangs umstrittene Inszenierung der „Zauberflöte“ in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff und der Ausstattung von Suzan Pitt sowie mehrere Erstaufführungen von Werken von Volker David Kirchner. Auch das Schauspiel konnte mit vielen beeindruckenden Inszenierungen sich einen ausgezeichneten Ruf erarbeiten.

Die Intendanz Claus Leiningers ist vielen Wiesbadenern als eine künstlerisch glanzvolle Zeit in Erinnerung geblieben. Unter seiner Leitung wurde das Staatstheater zu einem der führenden Häuser Deutschlands. Nach der Interimsleitung durch Arnold Petersen und der Intendanz von Achim Thorwald, der an das Badische Staatstheater Karlsruhe wechselte, folgte Dr. Manfred Beilharz, der vor allem im Schauspiel neue Akzente setzte.